Eventführung „Obsthof am Berg“, Brennerei & Kelterei in Kriftel

Eine Führung der besonderen Art und ein Highlight unserer diesjährigen Führungen für Mitglieder war die Besichtigung der Brennerei & Kelterei in Kriftel, die am 27.4.2018 bei strahlendem Sonnenschein stattfand.
Rund 30 Personen lauschten einem der Gebr. Henrich (Holger Henrich), die die Brennerei in der 3. Generation betreiben, als dieser kurz die Historie und Entwicklung des Familienbetriebes zum Besten gab.

Die Geschichte des „Obsthof am Berg“ begann bereits vor 40 Jahren, als es einigen Betrieben in der Ortsmitte von Kriftel zu eng wurde. Damals siedelte der Obstbaubetrieb Henrich an den Ortsrand in die Gemarkung „Am Berg“, was auch zur Namensgebung des Obstbaubetriebes führte. Betriebsgründer waren die Großeltern der Gebrüdern Henrich.

Ein Großteil des Ertrages vom Obsthof ging in die Genossenschaftsvermarktung, jedoch erhielt der Direktverkauf ab Hof nach der Aussiedlung eine zunehmende Bedeutung. Der damals noch kleine Obstbaubetrieb mit 6 Hektar (10701) erweiterte seine Anbaufläche im Jahre 2000 auf 15 Hektar.

1992 wurde der Betrieb an den Sohn Horst übergeben, der eine Ausbildung als Obstbauer/Gärtnermeister beim Posthof Hattersheim (Farbwerke Höchst) absolvierte und 1976 die Meisterprüfung im Fachbereich Obstbau an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Wiesbaden ablegte.

Im Jahre 2010 übernahmen die jetzigen Eigentümer, die beiden Söhne Holger (Dipl.-Ing.  (FH) Getränketechnologie und Ralf (Winzer und Dipl.-Ing. (FH) der Getränketechnologie den Betrieb von ihren Eltern und verlagerten den Schwerpunkt vom Obstbau immer mehr in Richtung Brennerei und Kelterei, was, wie sich herausstellte, eine sehr gute Wahl war.

Wenn man bedenkt, dass 2016 ca. 80% des Obstes und 2017 sogar 100% der Ernte aufgrund von Erfrierungen und Obstfliegen verloren ging, dann weiß man, dass so ein Obsthof mit vielen Problemen zu kämpfen hat und es wichtig ist, sich schon im Voraus ein zweites Standbein zu schaffen.

Dies haben die beiden Brüder sehr geschickt und mit viel Liebe zu Ihren Produkten geschafft und sind zwischenzeitlich auch dafür belohnt worden.

Herr Henrich hat uns viel über Gerste, Malz, verschiedene Produkte zur Herstellung der Spirituosen erzähl und uns allen eine Einführung in die Entstehung der verschiedenen Brände, Whiskys und auch Gins gegeben.

GIN SIEBEN

Fangen wir mit dem „GIN SIEBEN“ an, der auch eine sehr interessante Geschichte vorzuweisen hat und nebenbei bemerkt, hervorragend schmeckt.

Angefangen hat alles 2015 mit dem Ideengeber Gregor Haslinger („Whisky Spirits“, Frankfurt Sachsenhausen), der inspiriert durch das Rezept der „Grünen Soße“ knapp ein Jahr zuvor damit anfing, die perfekte Balance zwischen den einzelnen Kräutern und des Gins zu finden. Als Gregor Haslinger dann die Gebrüder Henrich fragte, ob sie mitmachen wollen, haben diese sofort zugesagt und ein wirklich hervorragendes Produkt entwickelt.

Um den „GIN SIEBEN“ seinen unverwechselbaren und besonderen Geschmack zu geben, werden die sieben Kräuter der Grünen Soße in Frankfurt frisch geerntet und noch am gleichen Tag in Alkohol eingelegt. Dabei sind alle Kräuter genau abgemessen um das richtige Verhältnis für den Geschmack zu erhalten. Der Alkohol nimmt über mehrere Tage den vollen Kräutergeschmack in sich auf. Im Anschluss wird der Kräutersatz destilliert, und zwar besonders schonend und langsam, um die Aromen bestmöglich herauszubilden.

Als Basis für den Gin wird ebenfalls ein Wachholderdestillat (Geist) hergestellt, das gebraucht wird, um den einzigartigen Geschmack von GIN SIEBEN zu erhalten. Kerbel und Petersilie sorgen hierbei für das Kräuteraroma, die Frische erhält der Gin durch die Kresse und den Sauerampfer. Pimpinelle erzeugt den leicht nussigen Geschmack, während Boretsch mit einer floralen Note das Ganze abrundet. Den besonderen Charakter erhält der GIN SIEBEN dann durch den Schnittlauch.

Inzwischen hat sich die Arbeit zur Erstellung dieses außergewöhnlichen Gins rentiert: Anfang März wurde der GIN SIEBEN auf der „International Spirits Competition“ in Berlin von einer Fachjury mit der Silbermedaille ausgezeichnet.

Aber nicht nur der GIN SIEBEN wurde prämiert und ist bekannt für seinen hervorragenden Geschmack. Neben dem Brennen von Edelbränden- und Geisten sowie der Herstellung von Gin und Rum haben sich die Gebrüder Henrich auch der Herstellung von gutem Whisky gewidmet und sind mit ihrem ganzen Herzblut bei der Sache.

GILORS – Whisky

Der Name Gilors bedeutet frei aus dem Gälischen übersetzt „Goldenes Wasser“ und zutreffender lässt sich das Aussehen des Single Malt kaum beschreiben. Reines Wasser und goldfarbenes Getreide sind wichtige Bestandteile eines jeden guten Whiskys. Die Bewunderung und somit Verneigung vor den schottischen Destilliertradition zeigt sich im Markennamen und im Brennverfahren. 

Übrigens war es, wie uns Herr Henrich erzählte, auch gar nicht so einfach, den Markennamen für den Whisky zu finden, denn die richtig gälischen Bezeichnungen waren alle bereits geschützt und zu ähnlich durfte der Name auch nicht klingen, sonst drohten hier hohe Strafen und Abmahnungen. Schlussendlich wurde der Name durch die Entfernung eines Buchstabens also eigentlich zu einem Fantasienamen, der sich an den Ursprung des gälischen Wortes anlehnt.

Wie gesagt, die Gebrüder verneigen sich vor der Destilliertradition der Schotten, gehen jedoch, was die Malz-Mischungen und Rezepturen anbelangt, völlig neue Wege und haben einen Whisky mit individueller und unverwechselbarer Note kreiert.

In vielen verschieden großen Fässern, deren Geschmack von Portwein und Sherry geprägt ist, reift der Whisky mindestens 3 Jahre lang. Das Fass hat großen Einfluss auf den Geschmack des Whiskys und gibt dem Single Malt seine unvergleichliche Note. Daher gibt es den Single Malt auch in zwei unterschiedlichen Abfüllungen: im Sherry Fass und Portwein Fass.

Benutzt werden von den Gebrüdern Henrich ganz bewusst vergleichsweise kleine Holzfässer, da diese im Verhältnis zum vorhandenen Flüssigkeitsvolumen eine deutlich größere Holzoberfläche aufweisen. Dadurch verkürzt sich die Reifezeit des Whiskys und der Geschmack des darin gelagerten Whiskys entwickelt sich vollmundiger.

Und wie schmeckt der Whisky?

Hier bitte ich zu verzeihen, wenn ich etwas ins Detail gehe, Whiskykenner werden sich freuen, die anderen werden hiermit nichts anfangen können – ich bitte dies zu entschuldigen.

Der Geschmack des 44/iger im Sherry Fass ist würzig, mit Anklängen von hellem Honig-Kräuter-Bonbon und dezenten „Fino Sherry“ Noten, im Abgang leicht holzig mit balancierten Bitteraromen.

Mit herben Noten, jedoch malzig und fruchtig, ätherisch und adstringierend kommt der ebenfalls im 44/iger Portwein Fass hergestellte Whisky daher. Geschmacklich aus einer ganz anderen Richtung als der aus dem Sherry Fass, im Abgang würzig-holzig und leicht parfümiert verleiht er seinem Duft eine leichte holzige Note und erinnert an die Aromen italienischer Kirschpralinen.

Whiskytrinker werden zustimmen, dass man einen Whisky in Ruhe genießen sollte, ohne Eis, in einem sogenannten Nosing-Glas, da sich hier die Aromen des Whiskys voll entfalten und der Whisky muss Zimmertemperatur haben.

Haben Sie gewusst, ….

  • dass man bei einem Whisky zwischen drei Primärfarben, vier Primärgeschmacksrichtungen aber dreiundzwanzig unterschiedlichen Primärgerüchen unterscheidet?
  • dass das Aufwärmen des Glases mit den Händen zusätzliche Aromastoffe im Whisky löst, aber auch den Alkohol und Duftstoffe verdecken kann?
  • dass Reifefässer mit ca. 110 Litern lediglich ein Fünftel der Menge des größten Fasses – des Butt – aufnehmen können, was Whisky schneller reifen lässt und zu einem wesentlich intensiveren Aroma führt?
  • dass das Alter des Whiskys nur bedingt aussagekräftig ist? Vielmehr kommt es auf die Reife des Whiskys an. Denn auch ein jüngerer Whisky kann schon seine Genussreife erlangt haben!
  • dass Eis nichts im Whisky zu suchen hat? Es betäubt die Geschmacksnerven, mindert die Aromen und verdünnt den Whisky unverhältnismäßig.
  • dass Bourbon Whisky in neuen Fässern gelagert werden muss?
  • dass viele Liebhaber ihren Whisky mit Zigarren oder auch feinherber Schokolade genießen?
  • dass Scotch eine Herkunftsbezeichnung ist? Scotch darf sich ein Whisky nur nennen, wenn er in Schottland destilliert und gereift ist.
  • dass Pot-Stills Kupferkessel sind, deren enthaltene Flüssigkeit beim gleichnamigen Brennverfahren zweimal destilliert wird?

Auszeichnungen

Natürlich wäre die Brennerei Henrich nicht die Brennerei Henrich, wenn Sie nicht auch für ihren Whisky prämiert worden wäre.

Im Festsaals des Frankfurter Palmengartens wurden vom 25. bis 27.11. die renommierten „Best Whisky Awards“ verliehen. Dabei wurden den Kriftelern Holger und Ralf Henrich vom Obsthof am Berg in der Kategorie „Germany’s Best Whisky National 2016“ die Bronzemedaille verliehen.

Deutschland besitzt eine weltweit einzigartige Whiskyliebhaberlandschaft. Für Kenner ist dies längst keine Überraschung mehr. Entsprechend groß war auch der Andrang bei der diesjährigen Verleihung der „Germany’s Best Whisky Awards“ im Rahmen von Europas größter Whiskymesse „InterWhisky“ in Frankfurt.

Große Ehre für großes Engagement

Mit dieser erneuten Auszeichnung setzt sich eine Erfolgsgeschichte fort: 2012 haben sich die Brüder Henrich, beide Diplomingenieure der Getränketechnologie, mit ihren Bränden erstmals auf das Parkett der Internationalen Edelbrandmeisterschaft Destillata gewagt, landeten dort auf Anhieb im Spitzenfeld und konnten sich auch in den Folgejahren behaupten. „Newcomer des Jahres“, „Edelbrenner des Jahres – Bronze“, mehrfach im „Kreis der Auserwählten“, dem Elitekreis der besten Destillerien, zahlreiche Sortensiege und Produktauszeichnungen konnten die Brüder Henrich für sich verbuchen und zählen damit zur neuen, vielversprechenden Brennergeneration Deutschlands, die im internationalen Umfeld kräftig mitmischt. „Die Bronzemedaille bei den Best Whisky Awards Germany folgt nun auf die Goldmedaille und den Titel „Whisky des Jahres“ bei der Destillata 2014, sowie dem zweifachen Goldgewinn für den Gilors Whisky 2016.“

Holger und Ralf Henrich bedienen mit ihrer Produktpalette das gesamte Spektrum der hochgeistigen Gaumenfreuden. Von Klassikern wie Williams über fruchtbetonte Spezialitäten wie Erdbeere, Banane oder Himbeere bis hin zur erklärten Domäne der beiden, den holzfassgelagerten Edelbränden, reicht das Angebot, mit dem die Henrichs auch 2016 einmal mehr überzeugen konnten.

Neben Whisky, Obstbränden, Edelbränden, Apfelwein und Gin stellt Henrich auch einen sehr guten Rum her.

Viele unserer Mitglieder waren überrascht von der Vielfalt und Größe dieser Brennerei und den vielen Auszeichnungen und dies von einer Brennerei im Rhein-Main-Gebiet. Aber alle waren sich darin einig, dass die Führung hervorragend war. Die Verköstigung im Anschluss fand sehr guten Anklang und viele gingen mit vollen Tütern nach Hause.

Sylvia Schönefeldt

2018-05-15T14:10:27+00:00 15.05.2018|