„Wenn ein Mensch durch einen Raum geht und ein anderer schaut ihm dabei zu, so ist der, der da läuft, auf einer Bühne“ (Peter Brooke, Regisseur und Schauspieler). Mit diesem Satz leitete Michelle Spillner am 31.10.2019 einen ausgesprochen aufschlussreichen, kurzweiligen und amüsanten Workshop-Tag ein, der so ganz anders war, als das, was wir sonst aus Trainings kennen.

In diesem sehr ungewöhnlichen Workshop ging es um den Begriff des Status in der zwischenmenschlichen Kommunikation und Interaktion. Hierbei geht es nicht um den gesellschaftlichen, sondern den persönlichen Status, den jeder in jeder Lebens- und Kommunikationssituation innehat. Der Status bezeichnet die Position in der Rangordnung, die Menschen zu jedem Zeitpunkt ausbilden. Dieser Status muss stimmig sein, damit Kommunikation gelingen kann. Erkenntnisse, die in der Alltagsanwendung allgegenwärtig sind, derer man sich aber nicht bewusst ist. Wenn der Status nicht stimmt, können wir uns den Mund fusselig reden, aber wir werden nicht gehört und wir kommen selbst zu Aussagen und Handlungen, die die sachliche Ebene verlassen. Diese Aussage der Referentin erzeugte zunächst Skepsis unter den Teilnehmer, bestätigte sich jedoch im späteren Verlauf des Workshops. Immer wenn zwei auf dieselbe Rangordnungsposition wollen, denselben Status haben wollen, gibt es Streit. Und viele unserer Konflikte begründen sich nicht auf dem sachlichen Inhalt, sondern auf Statuskonflikten. Der Job eines Verkäufers ist es, sein Gegenüber in den für ihn richtigen Status zu bringen – dann hört der Käufer zu. Verkäufer können bessere, zielführendere Gespräche führen, Beschwerdemanagement wird beschwerdefreier und eine gute Statusarbeit wirkt sogar dahingehend, dass Produkte und Dienstleistungen beim Kunden wertiger wahrgenommen werden.

Nach dieser theoretischen Einführung wurde es konkret. Wie erzeugt man diesen Status – für sich und für andere? Michelle Spillner bedient sich Körpersprachwerkzeugen. Das wichtigste Werkzeug ist der Umgang mit dem Raum – räumlich, akustisch und zeitlich: Wie groß stehe ich, wie viel Platz beanspruche ich, wie laut und wie viel spreche ich und wie viel Zeit lasse ich mir bei meinem Tun. Anschauliche Erklärungen und Darstellungen verdeutlichten sofort die starke Wirkung des Umgangs mit dem Raumwerkzeug.

Das Besondere an diesem Workshop ist das Lernen durch Erleben. Mit Hilfe von Übungen konnten die Teilnehmer sofort die Werkzeuge anwenden und dadurch die Wirkung der Werkzeuge auf andere und auf sich selbst unmittelbar erleben. Das war nicht nur erkenntnisreich, sondern hat auch einen Riesenspaß gemacht. Es zeigte sich, dass jeder jeden Status, also jeden Platz in der Rangordnung, einnehmen kann. Dafür muss man nur bewusst mit seinem Raum umgehen. Ziel ist es dabei nicht, immer den höchsten Status zu erlangen, die höchste Position in der Rangordnung einzunehmen, sondern sich schlau auf der Position einzuordnen, die man braucht, um das zu erreichen, was man will.

Die Status-Schulung ist ein ganz neues und sehr innovatives Thema, das so nur von sehr wenigen Trainern in der Welt vermittelt wird. Wir freuen uns sehr, dass wir mit der CDH Akademie unseren Teilnehmern, als einer der ersten, dieses Thema in unserem Workshop vorstellen und näherbringen konnten und hoffen, dass die Status-Arbeit zukünftig an Bedeutung und Bekanntheit gewinnen wird.

An diesen hervorragenden Workshop schloss sich eine schaurig-schöne Führung über den Frankfurter Hauptfriedhof an. Unser Guide, Björn Wissenbach, vermittelte Wissenswertes über berühmte Frankfurter Bürger und deren Grabstätten, Bestattungsriten, Gräberarchitektur, geschichtliche Hintergründe und vieles mehr.