Die Große Koalition hat in ihren Beratungen am 22. April 2020 über weitere Maßnahmen zur Unterstützung von Unternehmen in der Corona-Krise beschlossen, dass kleine und mittlere Unternehmen absehbare Verluste für 2020 mit Steuer-Vorauszahlungen aus dem Jahr 2019 verrechnen können (sog. Verlustverrechnung). Damit erfüllt die Regierungskoalition eine Forderung der CDH und weiterer Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft mit der diese sich für weitere steuerliche Maßnahmen eingesetzt haben, um den Unternehmen zusätzlich kurzfristig Liquidität zu verschaffen.

Dazu hat das Bundesfinanzministerium das beigefügte BMF-Schreiben herausgegeben. Nach Ausführungen des BMF bringt die beschlossene Pauschalierung für die betroffenen Unternehmen eine entscheidende Vereinfachung. Gerade in der aktuellen Situation ist der für 2020 zu erwartende Corona-bedingte Verlust vielfach nur schwer zu bestimmen. Die üblicherweise erforderlichen Nachweise sind für die Verwaltung und die Steuerpflichtigen mit einem hohen Aufwand verbunden. Diese fallen durch das Pauschalverfahren weg, so das BMF.

Betroffene Steuerpflichtige mit Gewinn- und Vermietungseinkünften können die nachträgliche Herabsetzung der Vorauszahlungen zur Einkommen- oder Körperschaftsteuer für 2019 jetzt auf der Grundlage eines pauschal ermittelten Verlustrücktrags (§ 10d Absatz 1 Satz 1 EStG) beantragen. Von einer Betroffenheit wird regelmäßig ausgegangen, wenn die Vorauszahlungen für 2020 bereits auf null Euro herabgesetzt wurden.

Der pauschal ermittelte Verlustrücktrag aus 2020 beträgt 15 Prozent der maßgeblichen Einkünfte, die der Festsetzung der Vorauszahlungen für 2019 zugrunde gelegt wurden (max. eine Million Euro bzw. zwei Millionen Euro bei Zusammenveranlagung). Auf dieser Grundlage werden die Vorauszahlungen für 2019 neu berechnet. Eine Überzahlung wird erstattet. 

Wenn es dem Unternehmen wieder besser geht und es wider Erwarten im Jahr 2020 doch Gewinn macht, zahlt der Unternehmer diese Finanzspritze wieder zurück. Solange das Unternehmen Verluste ausweist, muss sie nicht zurückgezahlt werden.

Zur Veranschaulichung enthält das BMF-Schreiben vom 24. April 2020 ein fiktives Zahlenbeispiel.

Diese Möglichkeit der Inanspruchnahme eines pauschal ermittelten Verlustrücktrags kann für Ihre Mitglieder, besonders für diejenigen, die nicht von den Soforthilfen profitieren, von großem Interesse sein.

Das beigefügte BMF-Schreiben stellen wir auch in unserer Infothek Steuer unter https://cdh.de/services/infothek/steuer/ unter der (neuen) Rubrk „Corona-Sofortmaßnahme“ zur Verfügung.