Nostalgie und Moderne

Wiedersehenstreffen von Gründern und frühen Helfern der Bezirksgruppe Thüringen in Jena

 Eine „Ungewöhnliche Einladung“ hatte im Sommer die Bezirksgruppe Thüringen für den 19.10.2018 nach Jena ausgesprochen. Sie richtete sich an Mitglieder aus der Gründerzeit der Bezirksgruppe (1990er Jahre) und des vom 13.04.1990 bis 09.07.1992 als selbständiger Landesverband in der CDH-Organisation bestehenden damaligen Wirtschaftsverbands der Handelsvertreter in Thüringen (CDH) e.V.
Auch Helfer der ersten Stunde aus Hessen gehörten zu den Eingeladenen. Der Zuspruch war mit 27 Teilnehmern erfreulich hoch, unter den Gästen waren auch Bezirksgruppenvorsitzender Udo Wendelmuth und sein Stellvertreter Axel Rehfeld. Ein interessantes Wiedersehen nach sehr langer Zeit, so haben es alle Teilnehmer empfunden.
Das „Wiedersehenstreffen“ begann, nach einem kleinen Mittagsimbiss, mit einem Besuch bei der VACOM Vakuum Komponenten & Messtechnik GmbHhttps://www.vacom.de/unternehmen/firmenprofil – deren Unternehmensgeschichte 1992 mit 2 Arbeitskräften in einer Jenaer Garage begann und die 2011 in Großlöbichau, direkt hinter der Jenaer Stadtgrenze, ein Produktions- und Technologiezentrum mit einer Gesamtfläche von 5000 m2 bezog.
Ihre Kernkompetenzen beschreibt VACOM mit Begriffen wie Vakuummechanik, Elektrische Durchführungen, Vakuummesstechnik Vakuumoptik und Ionengetterpumpen für Anwendungen im Hochvakuum bis ins extreme Ultrahochvakuum. Der Firmenslogan 10-n mbar– NICHTS ist unerreichbar, für dessen Verständnis zwar kein Hochschulstudium erforderlich ist, wohl aber überdurchschnittliche Physikkenntnisse, beschreibt damit ein Ziel, dem man durch Vergrößerung des Exponenten „-n“ und Erhöhung des technischen Aufwands zwar näherkommen kann, es aber trotzdem niemals erreicht.

Derzeit steht für die inzwischen weit über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein neuer Erweiterungsschritt in Gestalt einer zusätzlichen Produktionshalle für Vakuumkomponenten und Logistikketten unmittelbar bevor, um die Anforderung von Industrie 4.0. erfüllen zu können. Baubeginn war im April, die Inbetriebnahme ist ebenfalls noch für 2018 geplant.
In Vertretung der durch einen anderen Termin verhinderten Unternehmensgründerin und geschäftsführenden Gesellschafterin, Frau Dr. Ute Bergner stellte die VACOM- Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Frau Dr. Wilfriede Fiedler, das Fertigungs- und Dienstleistungsprofil des Unternehmens vor. Zu Wort soll Frau Dr. Bergner aber in diesen Bericht trotzdem kommen, und zwar in Form eines Zitats aus einem Interview, das sie vor wenigen Wochen der Zeitschrift Vakuum in Forschung und Praxis gab. Darin antwortete sie auf die Frage nach der Kundenstruktur und dem Produkt- und Dienstleistungsangebot:

 

Fräsbearbeitung einer Vakuumkammer

„Unsere Kunden kommen aus sehr innovativen Branchen und der Wissenschaft. Für die Umsetzung vieler Ideen gibt es noch keine erprobten Rezepte. Wir arbeiten sehr eng mit unseren Partnern zusammen, um die besten Lösungen für die individuellen Vakuumsysteme zu finden. Unsere Partner schätzen es, dass wir vom Design und der Simulation, über die Fertigung bis hin zur Reinigung, Sauberkeitsmessung und Verpackung den gesamten Prozess aus einer Hand anbieten.“

Weiterhin möchte ich unsere Reinigungsdienstleistungen für Komponenten mit höchsten Reinheitsanforderungen nennen. Unsere Komponenten und Sonderanfertigungen sind auch deshalb sehr begehrt, weil wir sie mit garantierten Ausgasraten liefern.

 

 

Zylinderkammer auf „Schweißmanipulator“

Auf der Basis gemessener Parameter wie der absoluten Ausgasrate haben wir Sauberkeitsklassen bestimmt. Mit definierten Vakuumklassen
sichern wir die Einsatzfähigkeit von Vakuumkomponenten ohne weitere Behandlung zu. Damit sind wir weltweit einzigartig.². „Die Nachfrage nach Reinigungsdienstleistungen wächst exponentiell. Dafür planen wir gerade den Umbau unserer Reinigungsstrecke zur Reinigungsfabrik, die Anfang 2020 in Betrieb gehen soll, um den wachsenden Bedürfnissen in Wirtschaft und Forschung gerecht zu werden.
Quelle: Vakuum in Forschung und Praxis, Vol. 30, Nr. 4, September 2018, S. 7. „

Der sich anschließende Werksrundgang geriet angesichts der umfangreichen Bauarbeiten im Zusammenhang mit der neuen Fertigungshalle streckenweise zu einer hochinteressanten Baustellenbesichtigung. Nur selten kommen bei einem Unternehmensbesuch die Gäste so nah an die Arbeitsprozesse heran.
Abschließend bedankte sich Günter Bock, langjähriger Bezirksgruppenvorsitzender, bei Frau Dr. Fiedler und bat sie auch, herzliche Grüße an ihre Chefin, Frau Dr. Ute Bergner auszurichten, mit der Günter Bock mehrere Jahre in der Vollversammlung der IHK Ostthüringen saß. Er wünschte VACOM und seinen Mitarbeitern eine erfolgreiche Zukunft.

 

 

Von Großlöbichau ging es dann ins Jenaer Stadtzentrum, das vom Turm („Jentower“, in den 1960er Jahren für das Carl-Zeiss-Kombinat errichtet) dominiert wird. Von der Aussichtsterrasse im 29. Stock zeigte Günter Bock wichtige Gebäude seiner Heimatstadt und erläuterte die noch taufrischen Investitionspläne der Carl-Zeiss-AG, die eine Rückkehr wichtiger Unternehmensteile vom schwäbischen Oberkochen an ihre ursprüngliche Wirkungsstätte beabsichtigt.

Im Best-Western-Hotel schloss sich dann ein gemeinsames Abendessen an, bei dem Erinnerungen, Episoden und Erfahrungen zwanglos ausgetauscht wurden und manches kritische Wort über die „Abwicklung“ traditionsreicher Betriebe fiel. Gar nicht gut kam dabei die „Treuhandanstalt“ weg.

Auch der Wunsch nach Wiederholung einer solchen Veranstaltung wurde geäußert.

Autor: Franz Peter Martin

2018-11-29T12:57:46+00:0029.11.2018|